Gebt Eure Stimme für die freie Kultur-Szene!

Forderungskatalog freie Kulturarbeit - Für mehr Kultur auch ohne höheren Kultur-Etat!

zum Forderungskatalog 2007 der Initiative Leipzig +Kultur
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In eigener Sache

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3. Festival "FREIE SZENE IM RUSSISCHEN PAVILLON"

Ein Link zu dem mitgeschnittenen Stadtgespräch

http://radioblau.podspot.de/post/aktuell-stadtgesprach/

Attacke!

(LVZ, 10.9.2007)

Arm und selbstbewusst: Wie Leipzigs Freie Szene auf der Alten Messe und in fünf Clubs für sich trommelt

Es ist ein Berliner Hiphop-Trio, das Samstagnacht im Plagwitzer Club Victor Jara eher beiläufig, etwas profan, aber wahr und jedenfalls unabsichtlich erklärt, warum Leipzigs Freie Szene seit Jahren trotz widriger Umstände so lebendig ist: „Wir seh’n gut aus, ham’ kein Geld, doch die Welt gehört uns“, rappt die Band mit dem Namen Das Netzwerk selbstbewusst.
Die Gruppe verdankt ihren Leipziger Auftritt einem anderen Netzwerk, jenem, das sich IG Freie Szene nennt und mittlerweile rund 50 Kulturinitiativen der Stadt umfasst. Zum dritten Mal präsentierte sich der facettenreiche Verbund am Wochenende mit Theateraufführungen, Lesungen, Konzerten, Ausstellungen, Kinovorführungen und an Ständen im Russischen Pavillon auf der Alten Messe, fast ohne Budget, eingebettet in den Tag der offenen Tür der Gewerbetreibenden dort. Die sind froh um die vielen kulturellen Farbtupfer.
Erstmals nutzten die freien Kulturmacher das charmant-morbide Gemäuer nicht nur an einem, sondern an zwei Tagen. Und in der Nacht dazwischen vernetzten sich fünf Clubs für die gemeinsame Partynacht „Space Con Action“, ebenfalls eine Premiere. Mit dem Westwerk, einer ehemaligen Armaturenfabrik in der Karl-Heine-Straße, erlebte eine vielversprechende und riesige neue Lokalität sogar sein allererstes Fest überhaupt.

„Attacke!“, ruft ein Mann, der sich Baron von Schlichthofen nennt, am Sonntagnachmittag über das Messegelände. Er ist einer der tollkühnen Piloten der europaweit erfolgreichen Theatergruppe Titanick, die das Szene-Festival für ein seltenes Gastspiel in der Heimatstadt nutzt. Insgesamt zählen die Festivalveranstalter rund 4000 Besucher. Bei der skurrilen und durchaus bodenständigen Flugschau, aufwändig inszeniert in einer Ästhetik zwischen dem frühen 20. Jahrhundert Europas und Mutanten-Science-Fiction aus Hollywood, ist der Platz vorm Pavillon mit Menschen voll gepackt.
Auch drinnen setzen derweil sechs freie Kulturmacher zum Angriff an. „Wir wollen die Verwaltung des Mangels nicht mehr hinnehmen“, sagt Christine Rietzke vom Frauenkultur-Verein auf einer Podiumsdiskussion. „Fünf für Leipzig“ heißt eine Kampagne, mit der die vor kurzem gegründete Initiative „Leipzig plus Kultur“ dafür trommelt, den nicht-städtischen Gruppen und Häusern fünf Prozent des jährlich etwa 100 Millionen Euro umfassenden Kulturhaushalts zu überweisen. Angesichts der Tatsache, dass die Freie Szene etwa 50 Prozent des Publikums anzieht, bislang aber mit lediglich 1,8 Prozent der Fördermittel auskommen muss, ist das keine vermessene Forderung. „Anderswo fließen zwölf Prozent in die freie Kultur“, sagt Katrin Stadtmüller von der Schaubühne Lindenfels.
Das Problem liege allerdings darin, so Harry Heine, Organisator der Partynacht „Space Con Action“, welch unterschiedliche Funktionen Stadtver- waltung und Freie Szene der Kultur zuschrieben: „Für die Politik ist Kultur ein Marketinginstrument, um Touristen anzuziehen und Firmen anzu- siedeln. Für uns bedeutet sie Lebensqualität.“ Wobei er den städtischen Entwurf eines Kulturentwicklungsplans, der seit Monaten geduldig im Internet steht und die Freie Szene in der Bedeutung für Leipzig immerhin auf Platz drei klassifiziert, durchaus gutheißt. Auch Nato-Geschäftsführer Falk Elstermann findet, „dass die Erkenntnisse jetzt nur noch umgesetzt werden müssen“.
Leipziger Stadtpolitiker, die das bewerkstelligen könnten, wurden dieses Mal anders als früher nicht ausdrücklich in den Russischen Pavillon eingeladen – und blieben ihm prompt fern. „Es ist enttäuschend, dass sich nicht einmal die Kulturpolitiker unter ihnen von alleine für das Festival interessieren“, kritisiert IG-Mitglied Thomas Kuhnert vom Theater Titanick.
Die Stadtoberen müssten allerdings auch eine undankbare Aufgabe erfüllen: Wo sie doch so oft feststellen, dass sie kein Geld haben, jedenfalls keines zum Verteilen. Nur klingen sie dabei selten so selbstbewusst wie die Hiphop-Band Das Netzwerk. Und wie derzeit Leipzigs Freie Szene.
@Weitere Fotos von Festival und Partynacht unter www.leipzig-live.com

Von MATHIAS WÖBKING, LVZ vom 10.9.2007

Das vorliegende Dokument ist ein Teil der Webseite der Freien Szene Leipzig
http://www.freie-szene-leipzig.de