Das Museum der Bildenden Künste in Leipzig

Das Museum der Bildenden Künste ist ein sehr bedeutendes Museum. Auf 7.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche werden 3.500 Gemälde, 1.000 Skulpturen und 60.000 grafische Arbeiten gezeigt. Es umfasst Kunstwerke vom Spätmittelalter bis zur Moderne.

Die Geschichte des Museums

Museumsstiftung und erstes Museum:
Das Museum geht auf die Gründung des “Leipziger Kunstvereins” durch Leipziger Kunstsammler und Förderer im Jahr 1837 zurück, die sich zum Ziel gesetzt hatten, ein Kunstmuseum zu schaffen. Am 10. Dezember 1848 konnte der Verein das “Städtische Museum” in der ersten öffentlichen Schule der Moritzbastei eröffnen. Es wurden ungefähr hundert gesammelte und gespendete Werke zeitgenössischer Kunst ausgestellt.

Durch große Spenden von Maximilian Speck von Sternburg, Alfred Thieme und Adolf Heinrich Schletter wuchs die Sammlung mit der Zeit. Im Jahr 1853 schenkte der Kaufmann und Kunstsammler Adolf Heinrich Schletter seine Sammlung unter der Bedingung, dass die Stadt innerhalb von fünf Jahren ein städtisches Museum errichten werde. Kurz vor Ablauf der Frist wurde das Museum am 18. Dezember 1858 eingeweiht. Es befand sich am Augustusplatz und wurde von Ludwig Lange im Stil der italienischen Renaissance gestaltet. Heute befindet sich das Gewandhaus an seinem Standort. Von 1880 bis 1886 war das Gebäude für die ständig wachsende Sammlung von Hugo Licht erweitert worden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts schenkte Fritz von Harck dem Museum einen Teil seiner Sammlung.

1937 beschlagnahmten die Nationalsozialisten in der Propagandakampagne “Entartete Kunst” 394 Gemälde und Drucke vorwiegend des Expressionismus. In der Nacht des 4. Dezember 1943 wurde das Gebäude von einem britischen Luftangriff zerstört. Ein großer Teil des Inventars war zuvor in Sicherheit gebracht worden.

Dimitroff Museum:
Nach der Zerstörung des Gebäudes am Augustusplatz begann das Museum eine 61-jährige Odyssee. Nachdem es 1948 in Gebieten der ehemaligen Reichsbank in der Petersstraße eingenommen wurde, zog es 1952 in das Gebäude des ehemaligen Reichsgerichts.

Nach der Entscheidung über die Verlegung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig im Mai 1992 musste das Museum im August 1997 wieder in einen Zwischenstandort im Handelshof umziehen. Die Sammlung wurde in limitierter Form an diesem Zwischenstandorten gezeigt.

Neues Gebäude:
Mitte der 1990er Jahre beschloss die Stadt, dem Museum ein eigenes Gebäude zurückzugeben. Am 4. Dezember 2004, genau 61 Jahre nach der Zerstörung des Städtischen Museums am Augustusplatz, eröffnete das neue Museum auf dem ehemaligen Sachsenplatz. Das rechteckige Museumsgebäude kostete 74,5 Millionen Euro und wurde von den Architekten Karl Hufnagel, Peter Pütz und Michael Rafaelian entworfen.

Die Sammlung

Die heutige Sammlung umfasst rund 3.500 Gemälde, 1.000 Skulpturen und 60.000 grafische Blätter. Es umfasst Werke vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart mit Schwerpunkt auf altdeutscher und frühniederländischer Kunst des 15. und 16. Jahrhunderts, italienische Kunst des 15. bis 18. Jahrhunderts, niederländische Kunst des 17. Jahrhunderts, französische Kunst des 19. und deutsche Kunst vom 18. bis 20. Jahrhundert.

Wichtige Teile der Sammlung sind Werke niederländischer und deutscher Alter Meister wie Frans Hals und Lucas Cranach d. Ä., Romantiker wie Caspar David Friedrich und Vertreter der Düsseldorfer Malerschule wie Andreas Achenbach. Das Prunkstück der Skulpturensammlung präsentiert die Beethoven-Skulptur von Max Klinger. Der umfassenden Arbeit von Max Klinger und Max Beckmann ist eine eigene Etage gewidmet.

Im Bereich der Moderne widmet das Museum einen Platz in erster Linie dem geschlossenen Fabrik-Look der Leipziger Schule von Künstlern wie Werner Tübke, Bernhard Heisig und Wolfgang Mattheuer oder größeren Beständen der international derzeit sehr populären Künstler Neo Rauch und Daniel Richter.

Allerdings sind hier im internationalen Bereich große offene Stellen vorhanden. Diese entstanden historisch bedingt aus der DDR-Zeit und aufgrund der angespannten finanziellen Lage der Stadt (der Kauf des Museumsbudgets für 2005 betrug nur 75.000 Euro) und lässt sich nicht so leicht nachholen. Das Museum versucht, dieses Problem zu lösen, indem es mit ungewöhnlichen Kombinationen von Werken aus verschiedenen Epochen experimentiert, um den Besuchern neue Perspektiven zu bieten.

In Zukunft wird das Museum von der Erweiterung seines Bestandes durch Spenden und Dauerleihgaben abhängig sein. Die Tradition des 19. Jahrhunderts begann mit großzügigen Stiftungen, die selbst erst zur Gründung des Museums führten und sich deshalb auch im 21. Jahrhundert fortführten. Anlässlich der Eröffnung des neuen Museumsgebäudes spendete das Kunstsammlerehepaar Dr. Hans-Peter Bühler und Marion Bühler-Brockhaus in 2004 41 Werke französischer Künstler, darunter Jean-Baptiste Corot, Charles-François Daubigny, Jean-François Millet, Eugène Delacroix, Edgar Degas und Claude Monet. Dies zeigt die Entwicklung der Kunst des 19. Jahrhunderts durch die Barbizon School zum Impressionismus. Zuletzt erhielt das Museum von BMW, die Fotosammlung “AutoWerk”. Für die größten Wohltäter ist ein Mosaik als Dank gewidmet und im Foyer ausgestellt.